Der erste rumänische Eisenbahn-Club (TREN CLUBUL ROMAN)
Im August 1990
gründeten rumänische Eisenbahner und Eisenbahnfreunde in Bukarest den TREN
CLUBUL ROMAN (TCR), den ersten rumänischen Eisenbahn-Club. Dieser Verein hat
sich zum Ziel gesetzt, die Interessen aller eisenbahnbegeisterten Menschen
Rumäniens zu vertreten und die oft vernachlässigte Geschichte des
Schienenverkehrs in diesem Karpatenland aufzuarbeiten. Mit eingeschlossen sind
Interessensgruppen, wie z.B. Tram, Waldbahn, Modelleisenbahn und Philatelie.
Der TCR sieht sich auch in der Funktion eines Dachverbandes, welcher regionale
Gruppen aus der Taufe heben möchte. Der erste regionale Club im TCR wurde in
Brasov (Kronstadt) gegründet. Heute, im Jahr 2001, hat der TREN CLUBUL ROMAN
über 100 Mitglieder, meist aus Rumänien, aber auch aus Ungarn, Deutschland,
Österreich, der Schweiz, Grossbritannien und den Niederlanden. Der
Mitgliedsbeitrag für Mitglieder mit Wohnsitz ausserhalb Rumäniens beträgt zur
Zeit DM 35,00 oder Gegenwert in anderer Währung.
Bereits zur
70-Jahresfeier der C.F.R. im Jahre 1939 entstand das erste Eisenbahnmuseum
Rumäniens beim Stadion Giulesti. Im Zweiten Weltkrieg wurde es bei der
Bombardierung Bukarests zum grössten Teil zerstört. Das Nachkriegsmuseum, das
im Jahre 1953 in einem Gebäude unweit des Gara de Nord eingerichtet wurde,
leidet seit seiner Gründung unter Platzmangel. Diverse Räume dieses Gebäudes
werden von der Bahnverwaltung als Büroraum genutzt, und die ursprünglich
vorhandenen Freiflächen mussten vor kurzem dem Bau einer Metrolinie weichen.
Eine Sammlung diverser Fahrzeuge befindet sich, für die Öffentlichkeit
bedauerlicherweise noch nicht zugänglich, im Gelände des Depot’s Grivita; eine
weitere Sammlung wurde aufgrund lokaler Bemühungen im Depot Sibiu (Hermannstadt)
eingerichtet; und schlussendlich finden sich zahlreiche Schmalspurlokomotiven
der C.F.R. im Schmalspur-Depot Tirgu Mures in grossenteils betriebsfähigem
Zustand.
In
Zusammenarbeit mit den rumänischen Eisenbahnen C.F.R. möchte der TCR im
ältesten Bahnhof der Hauptstadt Bukarest, dem Gara de Filaret, ein neues
eisenbahntechnisches Museum errichten. Der Gara de Filaret war 1869
Ausgangspunkt der ersten Bahnlinie des rumänischen Altreiches an die Donau nach
Giurgiu. Nach seiner Stilllegung als Busbahnhof zweckentfremdet, soll er als
Bahnmuseum eingerichtet werden. Neben zahlreichen bahnspezifischen Exponaten
und einer Bibliothek soll er zumindest einige der vorhandenen Museumsfahrzeuge
beherbergen, ohne aber den Bestand der regionalen Museen zu schmälern.
Ein weiteres
Projekt des TCR ist die Realisierung einer «Waldbahnstrecke» in 760mm-Spurweite
im Bukarester Dorfmuseum, dem «Muzeul Satului». In diesem Freilandmuseum,
welches Exponate des dörflichen Lebens und der Baukunst aus allen rumänischen
Regionen zeigt, soll eine Rundstrecke mit Bahnhof und Werkstätte gebaut werden.
Schwellen und Schienen stammen von abgebauten Waldbahnen; als Fahrzeuge
vorhanden, aber der Aufarbeitung harrend, sind die Lok 764.015 (Dt-n2, Resita
1953, ex C.F.R. Satu Mare ex C.F.I.-Kvartit Dr. Petru Groza) und zwei
vierachsige Drehgestell-Personenwagen.
Darüber hinaus
hilft der TCR den zuständigen Abteilungen der C.F.R. bei der Zusammenstellung
historischer Garnituren und deren Einsatz als Sonderzüge für Eisenbahnfreunde
oder im Tourismus. Zahlreiche betriebsfähige Dampflokomotiven stehen im ganzen
Land bereit. Diese befinden sich - ebenso wie einige historische Wagen -
im Besitz der C.F.R. Das Reiseunternehmen RONEDO mit Sitz in Piatra Neamt
bietet regelmässig komplette Programme für Sonderzüge auf Haupt-, Schmalspur-
und Waldbahnen in Zusammenarbeit mit ausländischen Reiseveranstaltern an. Aber
auch die C.F.R. selbst - auch durch ihre Auslandsvertretungen - vermietet die
historischen Züge.
Weitere
Aktivitäten finden auf dem Gebiet Modelleisenbahn statt. Im Frühjahr 1993
produzierte ein Gründungsmitglied des TCR erstmals in Kleinserie einen
Triebwagen der Serie 1000. Dieses exakt im Massstab 1:87 gehaltene und aus
Kunststoff gefertigte Modell der Firma «rtm» (Rom Tren Model) ist derzeit
leider ausverkauft. In geringer Stückzahl wurden auch Modelle von zwei- und
vierachsigen Salontriebwagen geschaffen. Weitere Produktionen, wie z.B. ein
Original-Árpád-Triebwagen der ungarischen Bahn, sind momentan aus
wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, für die nähere Zukunft aber nicht ganz
ausgeschlossen.
Mehrere
Mitglieder des TCR betreiben Eigenbau von Fahrzeugen und Zubehör für die
Modellbahn in diversen Massstäben. Um ihnen ein Forum zu geben, findet
alljährlich, meist im Monat Mai in Bukarest, eine Modellbahnausstellung mit
Wettbewerb unter den Titel «Mocanita» statt. Sie wird vom TCR
organisiert.
Publizistisch
beschäftigt sich der TCR mit der Herausgabe des Club-Bulletins «TREN MAGAZIN»,
welches in Form von gehefteten Fotokopien zwei- bis viermal im Jahr in
rumänischer Sprache als Nachrichtennummer mit allgemein interessanten Aufsätzen
erscheint. In unregelmässigen Abständen wird eine Themenausgabe als «Special»
verlegt. Der TCR plant, in naher Zukunft das TREN MAGAZIN generell zweisprachig
rumänisch/deutsch zu bringen, um auch im Ausland grösseres Interesse zu finden.
Die Redaktion des TREN MAGAZIN freut sich natürlich jederzeit über Beiträge
nicht nur aus dem Kreis ihrer Mitglieder, sondern auch von anderen
eisenbahninteressierten Autoren.
Initiativen
einzelner TCR-Mitglieder ist es zu verdanken, dass es zwischenzeitlich auch in
Rumänien verlegte Bahnbücher gibt. Der Eisenbahnhistoriker Dipl.-Ing. Radu
Bellu beispielsweise ist unter anderem Autor einer Serie von Monographien der
Regionaldirektionen der C.F.R. mit umfassender Darstellung der Strecken- und
Fahrplangeschichte. Seine Bücher werden von der C.F.R. verlegt und sind im
Eisenbahnmuseum Bukarest beim Gara de Nord erhältlich.
Interessiert
Sie der TREN CLUBUL ROMAN? Oder interessiert es Sie, einmal die Bahnen in
Rumänien näher kennenzulernen, sei es von Zuhause aus oder im persönlichen
Erleben? Dann würde es uns freuen, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen würden.